Biografien jüdischer Nürnberger: Adolf Schwarz (1856 - 1926), Hopfenhändler, Stifter, Vereinsfunktionär

Adolf Schwarz wurde am 12. Januar 1856 in Egenhausen (Bezirksamt Uffenheim) geboren. 1888 heiratete er Julie Mayer (4.7.1869 Hürben bei Augsburg - 24.4.1937 Nürnberg) und war seitdem in Nürnberg, Jakobstraße 12, ansässig. Die Ehe blieb kinderlos.

Adolf Schwarz (Stadtarchiv Nürnberg C 21/VII Nr. 149)

Schwarz war Mitinhaber der seit 1880 nachweisbaren Hopfengroßhandlung Gebrüder Schwarz. Der durch seine kaufmännische Tätigkeit erworbene Wohlstand erlaubte es ihm, trotz einer sich ständig verschlimmernden chronischen Erkrankung (Rückgratverkrümmung) bis unmittelbar vor seinem Tod auf vielen gesellschaftlichen Feldern aktiv zu werden. Als verdientes Mitglied der Freisinnigen und seit 1918 Deutschen Demokratischen Partei bekleidete er fast 30 Jahre lang das Amt eines städtischen Waisenrates. Außerdem engagierte er sich im Vorstand des kaufmännischen Vereins Merkur für die Belange seines Berufsstandes und die Ausbildung des Nachwuchses.

Schwarz’ besonderes Augenmerk galt der Förderung karitativer Einrichtungen, deren Betrieb die Einhaltung der Regeln des Judentums, z.B. koscheres Essen, gewährleistete. So beriet er seinen Onkel Lazarus Schwarz bei der Stiftung des Israelitischen Altersheims Nürnberg und gehörte über 25 Jahre dem Kuratorium dieser Anstalt an. Er selbst finanzierte zusammen mit seiner Frau seit 1912 mit einem Grundkapital von 33.000 Mark das Israelitische Erholungsheim Nürnberg in Schloss Büg (heute Gemeinde Eckental, Landkreis Erlangen-Höchstadt) zur Unterbringung schwächlicher und kränklicher Kinder aus Nürnberg und Fürth während der Sommermonate und von Erwachsenen in den übrigen Jahreszeiten für Kuraufenthalte. Mit den Stiftungsmitteln wurde das aus dem 18. Jahrhundert stammende Gebäude umfassend saniert und umgestaltet und 1913 das Heim eröffnet. Während des Ersten Weltkriegs stellte es der Stiftungsrat freiwillig dem Militär als Lazarett zur Verfügung. 1938 wurde das Anwesen zugunsten des NS-Lehrerbundes in Bayreuth enteignet.

Auch für das Erholungsheim für unbemittelte Frauen in Bad Reichenhall legte Adolf Schwarz durch eine Stiftung den Grundstein. Ebenso war er im Rahmen der Nürnberger Maimonides-Loge sozial tätig. Außerdem gehörte er lange dem Präsidium der Israelitischen Taubstummenanstalt in Neu-Weißensee bei Berlin an.

Seinen größten Wirkungskreis entfaltete Schwarz als Mitgründer, Vorstands- und Ehrenmitglied des in Nürnberg beheimateten Trägervereins für die am 12.6.1905 in einem Neubau eingeweihte Israelitische Kinderheilstätte in Bad Kissingen, die zu seinen Lebzeiten knapp 4500 bedürftige kranke Kinder aus dem gesamten Reichsgebiet durchliefen, darunter auf seine Initiative auch nichtjüdische. In Verbindung mit dem Kinderheim schuf er eine Genesungsstätte für werktätige Mädchen. Im Weltkrieg wurde das Haus in Bad Kissingen wie Schloss Büg dem Staat für Lazarettzwecke überlassen.

Adolf Schwarz starb am 27. November 1926 in Nürnberg. Im Nachruf der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung heißt es: Der Verlebte hatte nicht nur hier in Nürnberg, sondern in ganz Deutschland sich einen großartigen Namen gemacht durch seine Gebefreudigkeit und durch seine nimmermüde Schaffenskraft.

Die Israelitische Kinderheilstätte wurde 1938 von den Nazis geschlossen und arisiert.

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