Es geschah vor 50 Jahren - Einweihung der Norishalle

Am 14. April 1969 wurde für die Landesgewerbeanstalt Bayern in Nürnberg die neue Norishalle eingeweiht. Sie steht heute im Bereich des äußeren oder sogenannten letzten Mauerrings, der im 14. Jahrhundert zu errichten begonnen wurde. Er war um 1400 im Wesentlichen geschlossen, in den 1420er und 1430er Jahren erfolgte vor allem der Ausbau des Stadtgrabens, und um 1450 war die ganze Umwallung vollendet. Der heute Marientormauer genannte südöstliche Teil der Befestigungsanlage verlief vom 1859 in neugotischem Stil errichteten Marientor, das bereits 1891 wieder eingelegt wurde, nach Norden bis zum südlichen Pegnitzeinfluss. Im Bereich der heutigen Norishalle ist der Standort des ehemaligen Turms „Blau C” zu verorten. Westlich hinter der Stadtmauer zwischen Katharinengasse im Süden und Pegnitz im Norden lagen bis zu ihrer Überbauung im ausgehenden 19. Jahrhundert die Gärten des Katharinenklosters.

Der an den Marientorzwinger nördlich angrenzende Mauerabschnitt musste nach Einlegung des Marientors 1891 zusammen mit den Türmen Blau G bis Blau C dem Bau des Gebäudes der Landesgewerbeanstalt und der Norishalle weichen - die Einlegung der Mauern war bereits 1875 von der bayerischen Regierung genehmigt worden.

Ihren Namen erhielt die Norishalle erst in den 1920er Jahren. Sie war ursprünglich 1882 als Kunsthalle der ersten in Nürnberg stattfindenden Bayerischen Landes-Gewerbe-Industrie und Kunstausstellung im alten Stadtpark von Oberbaurat Adolf Gnauth (1840-1884) errichtet worden. Nach dem Abbruch der dortigen Halle entstand ein neues Gebäude am Gewerbemuseumsplatz, das bis 1897 als Bayerisches Gewerbemuseum und von 1899 bis 1925 als bayerisches Eisenbahnmuseum, also als Vorläufer des heute in der Lessingstraße zu findenden DB Museum im Verkehrsmuseum Nürnberg, diente. Nach dem Umbau 1927 wurde die Norishalle als Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst neugestaltet. Hier war beispielsweis 1928 eine überregionale Ausstellung über „Deutsche Kunst der Gegenwart“ zu sehen. Auch die 1865 gegründete Produktenbörse zog 1925 mit ihrer Geschäftsstelle in die Norishalle ein.

Norishalle mit Werbung für die Ausstellung deutscher Kunst der Gegenwart Nürnberg, 1928

Norishalle mit Werbung für die Ausstellung deutscher Kunst der Gegenwart Nürnberg, 1928 (Stadtarchiv Nürnberg A 38-B-37-4)

1945 wurde das Gebäude im Luftkrieg zerstört. Ab 1965-1969 ließ die Landesgewerbeanstalt Bayern an der gleichen Stelle der alten Norishalle nach Plänen des Fürther Architekten Heinrich Graber (1926-2001) einen Neubau errichten, der 1969, 100 Jahre nach der Gründung des Bayerischen Gewerbemuseums als Keimzelle der Landesgewerbeanstalt Bayern, eingeweiht werden konnte. Im modernen Sichtbetonbau wurden eine Halle für wechselnde Ausstellungen, Büroräume und Ausstellungsräume des Gewerbemuseums mit einer Vorbildersammlung und Studiendepots im Untergeschoss untergebracht.

Südwestansicht des Neubaus der Norishalle, 1967

Südwestansicht des Neubaus der Norishalle, 1967 (Stadtarchiv Nürnberg A 55-I-26-4-5)

Meist im Verbund mit der Nürnberger Kunsthalle, aber auch mit dem Germanischen Nationalmuseum oder dem Centrum Industriekultur wurden hier zahlreiche Ausstellungen gezeigt, darunter 1979-1988 in dreijährigem Rhythmus die „Triennale der Zeichnung“ oder 1989-1993 die Ausstellungreihe „Museumsskizzen“ mit begleitenden Kunstgesprächen. Nach umfänglichen Umbaumaßnahmen ab 1997 sind 2000 das Stadtarchiv Nürnberg und die Naturhistorische Gesellschaft in das Gebäude eingezogen. Seit 1997 steht die Norishalle als beeindruckendes Beispiel des Betonbrutalismus in Bayern unter Denkmalschutz.

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