Biografien jüdischer Nürnberger: Hugo Burkhard (1899 - 1971), Kaufmann, Psychologe, Schriftsteller, Redakteur

Hugo Burkhard

Hugo Burkhard wurde am 7. Juni 1899 in Hüttenbach (heute Gemeinde Simmelsdorf, Landkreis Nürnberger Land) geboren, wo er die israelitische Elementarschule besuchte. Nach deren Abschluss absolvierte er seit 1912 in Nürnberg eine Ausbildung zum Kaufmann und war als solcher bis 1924 hier und später in seinem Geburtsort angestellt und selbständig tätig.

In Hüttenbach und Umgebung stand er in regem Kontakt mit der nichtjüdischen Bevölkerung, die er in rechtlichen und finanziellen Fragen beriet. Dadurch geriet er ins Visier der Nazis, die ihn am 2. Juni 1933 ohne Gerichtsverfahren in Schutzhaft nahmen. Für Burkhard bedeutete dies eine fast siebenjährige Leidenszeit in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald, die erst am 19. März 1940 endete. Noch im Juni 1939 erschien im Stürmer ein Hetzartikel über ihn, der in der hasserfüllten Formulierung gipfelte: Heute befindet sich der Jude Hugo Burkhardt [!] im Konzentrationslager Dachau [er war seit 1938 im KZ Buchenwald]. Es ist zu hoffen, dass er nicht mehr auf Nichtjuden losgelassen wird.

Seine Freilassung hatte er der Intervention eines jüdischen Nürnberger Unternehmers zu verdanken. Sie erfolgte unter der Auflage, dass Hugo Burkhard sofort Deutschland verlassen müsse. Seinen Freunden gelang es, das nötige Geld aufzubringen und die bürokratischen Formalitäten abzuwickeln, sodass er bereits am 1. April über Mailand nach Shanghai auswandern konnte, zu diesem Zeitpunkt einer der wenigen Orte, in denen aus Europa vertriebene Juden wegen seines völkerrechtlichen Sonderstatus noch Zuflucht finden konnten.

Völlig mittellos kam der Franke in der ostchinesischen Metropole an. Dort arbeitete er als medizinischer Angestellter im Shanghai Refugee Hospital. Nach Ausbruch des Krieges im Pazifik am 7. Dezember 1941 übernahmen die Japaner die Macht in der Stadt und zwangen die jüdischen Flüchtlinge ab Februar 1943 in ein Ghetto, wodurch sich ihre prekären Lebensverhältnisse mit Armut, Krankheiten und Nachstellungen durch die Behörden des mit dem Dritten Reich verbündeten Japan noch verschlechterten. 1942 hatte er die ebenfalls aus dem Machtbereich der Nazis geflohene Wienerin Anni Kalb, verwitwete Wassermann (1895 - 1955), geheiratet.

Der Zweite Weltkrieg endete in Shanghai am 10. August 1945. Im März 1948 nutzte Burkhard die Möglichkeit, in die USA überzusiedeln, wo er Psychologie studierte und in San Francisco eine Praxis aufbaute. Als er sie wegen seiner durch KZ-Haft und Shanghaier Exil zerrütteten Gesundheit nicht weiterführen konnte, kehrte er mit seiner neuen Frau Erminia, geborene Fischer, am 1. Juli 1960 nach Nürnberg zurück, behielt aber die US-Staatsbürgerschaft.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben wurde Hugo Burkhard schriftstellerisch tätig: 1966 verarbeitete er in Tanz mal Jude! seine Erfahrungen in Nazideutschland und China. Drei Jahre später veröffentlichte er in Der Bimberle Bamberle Bomberle seine Erinnerungen an die jüdische Gemeinde von Hüttenbach. 1971 erschien sein Buch A Prisla aus meiner fränkischen Schnupftabaks-Dus’n und a poar G’werzplätzla aus meiner Närnbärcher Blechdus’n. Betrachtungen - Beobachtungen - Originale - Kirchweihlieder - Reime und Gesänge - Aussprüche - Sitten und Bräuche - Anekdoten von Hüttenbach bis Nürnberg. Für sein heimatverbundenes Schaffen wurde Burkhard durch die Aufnahme seiner Werke in die Bestände des der Stadtbibliothek angegliederten Instituts für fränkische Literatur geehrt.

In der Israelitischen Kultusgemeinde wirkte er seit Oktober 1967 als Redakteur des auf seine Initiative hin neugegründeten Gemeindeblattes, in dem er zahlreiche Beiträge verfasste. Dafür wurde er anlässlich seines 70. Geburtstages 1969 bayernweit von jüdischen und nichtjüdischen Institutionen gewürdigt.

Hugo Burkhard verstarb überraschend am 7. Dezember 1971 in Nürnberg. Der Gemeindevorstand gedachte seiner mit den Worten: Sein lauterer Charakter, sein Eintreten für Recht und Gerechtigkeit, seine stete Bereitschaft zum Ausgleich hinterlassen bei uns eine Lücke, die wir nur schwer, wenn überhaupt je füllen können.

(Quelle Foto: Gemeindeblatt der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, 5. Jg. / No. 4, Januar 1972)

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