Das Firmenarchiv der Dr. C. SOLDAN GmbH im Stadtarchiv Nürnberg
Die mehreren hundert Firmen- und Wirtschaftsarchive die im Stadtarchiv Nürnberg aufbewahrt werden, beinhalten eine ganze Reihe von Firmen vom späten 18. bis ins 21. Jahrhundert. Davon herausragend ist das 2023 ins Stadtarchiv gelangte Firmenarchiv der Dr. C. SOLDAN GmbH. Mit rund 650 Einheiten zählt es nicht nur zu den größten Firmenarchiven die das „Gedächtnis der Stadt“ verwahrt, sondern hat seinen Ursprung zudem in einer bis heute noch aktiven und weithin bekannten Bonbonfabrik, deren prominentestes Produkt, der „Em-eukal“-Bonbon „-nur echt mit der Fahne“, vielen geläufig ist.

Wenngleich die Firma heute im oberfränkischen Adelsdorf ihren Hauptsitz hat, begann ihre Geschichte mit der Gründung im Jahre 1899 durch Dr. Carl Soldan am Nürnberger Hefnersplatz. „Eine Drogenhandlung modernster Art zu sein, darf sich die Drogerie und Parfümerie Wittelsbach von Dr. C. Soldan in Nürnberg rühmen. Alles, was zeitgemäße Technik und zeitgemäßer Geschmack in ansprechender Verbindung bieten konnten, ist hier zur Anwendung gekommen, und wenn das „Auto“ dieser Drogerie durch die Straßen Nürnbergs jagt, um die Kunden auf die schnellste Weise die bestellten Waren ins Haus zu bringen, so muß man bekennen, daß auch das Modernste des Modernen sich hier in den Dienst des Drogenhandlungsbetriebes gestellt hat“ berichtet im Jahre 1904 die „Drogisten-Zeitung“.

Den Archivalien ist unter anderem zu entnehmen, dass das Unternehmen von Anfang an unter starkem Konkurrenzdruck stand. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts geriet Firmengründer Dr. Carl Soldan immer wieder in Konflikt mit dem Apotheker-Verband, ähnelte sich das Sortiment einer Drogerie doch stark mit jenem der herkömmlichen Apotheken. Aber auch die Nachfolgegenerationen des Familienunternehmens Soldan mussten gegenüber Konkurrenz-Produkten oder auch im Verkauf immer wieder die „Fachtreue“ ihrer Produkte verteidigen. So durfte über lange Zeit bspw. „Em-eukal“ als Pharmazieprodukt nur in Apotheken verkauft werden.
Neben der Bonbonherstellung unterhielt die Firma eine betriebsinterne Druckerei für die Produktverpackung, die ab 1973 als „Frankendruck GmbH“ eigenständig wurde. Ebenso waren die Parfümerie-Filialen der SOLDAN GmbH bis ins Jahr 2005 Teil des Nürnberger Stadtbildes. Für mehrere hundert Beschäftigte bot die Firma nicht nur auf ihrem Gelände nahe der Stadtgrenze in der Herder Straße sondern seit 1959 auch in Adelsdorf in der Bonbonfabrik Arbeitsplätze. Hierbei bieten beispielsweise Versicherungsbücher, in denen der Arbeitgeber die An- und Abmeldung seiner Beschäftigten für die Krankenkasse zu dokumentieren hatte, einen Einblick in Berufsstrukturen, Beschäftigtenzahl und -alter sowie Fluktuation in bestimmten Tätigkeiten wie bspw. als „Wicklerin“.

Detailliert zeigen aber auch die zahlreich überlieferten Sitzungsprotokolle der Gesellschafterversammlungen die internen Planungen und Umstrukturierungen der GmbH. Über viele Jahre hinweg erstellte die Geschäftsführung handschriftliche Bilanzaufstellungen und Umsatzdiagramme um die Gesellschafter auf dem Laufenden zu halten und Kalkulationen zu ermöglichen. Sie bieten der Forschung heute ein solides Quellenmaterial über das Wachstum der Firma aber auch für die Wirtschaftsgeschichte der Süßwarenindustrie ganz allgemein.

Private Korrespondenz beispielsweise von Hermann (1902-1980) und Erika Soldan (1914-2010) sowie von Sohn Felix (1936-2005) geben zudem auch Einblick in die Familie Soldan und deren Wirken innerhalb der Stadtgesellschaft selbst. Gelegentliche Briefe und Glückwunschschreiben an Grete Schickedanz oder Theo Schöller zeugen von gegenseitigem Respekt und Anerkennung innerhalb „der Großen“ Nürnbergs. Mit dem Ableben von Hermann Soldan 1980 und der damit einhergehenden Aufteilung der Geschäftsanteile innerhalb der Familie, brach in der dritten Generation Soldan eine unruhigere Phase für die GmbH an. In den 1990er Jahren berichtete die Presse gar über Verkaufsabsichten der Firma, trotz prosperierenden Geschäfts. Zeiten, die durch die Gründung der „Soldan Holding + Bonbonspezialitäten GmbH“ und die Geschäftsführung der vierten Generation ab 2005 mit Perry Soldan überwunden werden konnten.

Doch auch die Geschichte anderer Firmen ist Bestandteil des Firmenarchivs der Dr. C. SOLDAN GmbH, da die Gesellschaft Anteile an deren Unternehmen hielt. Durch die Verwandtschaft mit der Unternehmerfamilie Hornschuch war Soldan auch Gesellschafter in der Textilindustrie. So finden sich in den Überlieferungen zahlreiche Unterlagen zur Neuen Spinnerei Bayreuth, der Spinnerei Forchheim, der Kulmbacher Spinnerei, der Firma Weber & Ott oder auch der Hercules Werke, an denen Soldan vorübergehend mindestens bedeutende Anteile hatte.
Die Art der Überlieferungen machen den Charakter eines Familienunternehmens deutlich. Die parallele Existenz mehrerer Firmen und die Leitung durch denselben Geschäftsführer machen die Trennung auch innerhalb der Unterlagenablage für eine heutige Benutzung der Archivalien nicht immer übersichtlich. Letztlich kann oder muss dies jedoch als charakteristisch für eine zeithistorische Unternehmensführung angesehen werden.
Bis auf wenige Ausnahmen, die aus nachvollziehbaren Gründen von Betriebsgeheimnissen (Bonbonrezepturen etc.) noch einer längeren Sperrfrist unterliegen, wird das Firmenarchiv der Dr. C. SOLDAN GmbH, dessen Aufbereitung und Verzeichnung noch andauert, für die Geschichtsforschung über Unternehmensstrukturen aber auch allgemein der Lebensmittelindustrie in der Region fundierte Quellen bereitstellen können.




